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Pisa ist passé: Neue Ideen machen am "Evau" Schule

Weidenau, 03.12.2006 00:00 Uhr (hei )

Pennäler unterrichten, sammeln Spenden und lernen dabei stets fürs Leben

Weidenau. (hei)
Der Pisa-Schock saß tief bei den Schulen im Lande. Sind die pädagogischen Konzepte schon von der Gegenwart überholt: Am "Evau" in Weidenau sind solche Überlegungen längst passé. Hier machen mittlerweile neue Ideen Schule. Dazu muss man mitunter alte Zöpfe abschneiden. So ist eine viel strapazierte Lehrer-Floskel am Evangelischen Gymnasium längst vom Aussterben bedroht: "Du kannst über alles reden, nur nicht über 45 Minuten." Doch. Hier dauern die Schulstunden — einmalig im Kreisgebiet — tatsächlich eine volle Stunde. "Die Unterrichtseinheit kann so variieren, pendelt zwischen Erklärungen an der Tafel, Exkursen und Gruppenarbeit hin und her", freut sich der stellvertretende Schulleiter Hartmut Abrell. "Nicht mehr die Uhr regiert den Stundenablauf, sondern der Lernfortschritt."
In Sachen Förderunterricht ist das Gymnasium mittlerweile bundesweit Vorreiter. Das Projekt "Schüler helfen Schülern" von Lehrer Rolf Daldrup hat sich zu einem regelrechten Unternehmen innerhalb der Lehranstalt entwickelt. Knapp 40 Oberstufenschüler helfen 100 "Mittelstüflern" bei deren ganz speziellen Defiziten. Zuvor wird im persönlichen Gespräch herausgearbeitet, wo genau der Schuh drückt. Genau da setzt die Nachhilfe an. Gearbeitet wird in Kleinstgruppen. Ergebnis: Die Quote der "Sitzenbleiber" ist kaum mehr messbar. Zwar wäre die Addition von Rolf Daldrups Überstunden wohl eine Aufgabe für den höheren Matheunterricht, aber der Erfolg macht vieles wett. Die Betreuer bessern sich dazu noch ihr Taschengeld auf und lernen in Sachen Sozialkompetenz selbst gratis dazu. Tobias Büchner leitet das Projekt auf Schülerseite. Sein Vorgänger Christian Weiß studiert inzwischen an der Uni Siegen, gibt aber weiterhin Rhetorik-Seminare am "Evau".
So gut man auch harmoniert — das Gebäude am Tiergarten platzt aus allen Nähten. Vor 42 Jahren für 550 Schüler gebaut, drücken nun fast 900 Pennäler hier die Bank. Die zahlreichen Zusatzprojekte müssen in Klassenräumen stattfinden. Ein Anbau muss also her. Am besten ein zweigeschossiges Forum mit Bibliothek, dessen Pläne bereits in der Schullade liegen.
Bliebe noch das Problem mit den leeren Kassen. Die Schüler am "Evau" verstehen das eher als Herausforderung. "Wir haben eine Projektgruppe gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, in den kommenden zwei Jahren eine Million Euro an Spendengeldern zusammen zu tragen", freut sich Leiter Sebastian Sonntag auf eine Fleißarbeit. Bange machen lässt er sich nicht. "Wir haben den Elan und die Ideen, das scheinbar Aussichtslose zu schaffen. Nur wer losgeht, kann ans Ziel kommen." Spätestens jetzt gibt es keinen Zweifel mehr: Am "Evau" lernt man nicht für die Schule, sondern fürs Leben.

 

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