SauerlandKurier Startseite

 

Kein Stochern im Nebel

Siegen, 02.02.2007 15:36 Uhr (tip)

Bardolino. (tip)
Schon lange bevor die Mannschaft den satten Rasen des Trainingsplatzes Nummer vier des Hotel Veronello betritt, ist Ralf Loose da. Zusammen mit seinem "Co" Sascha Franz inspiziert der Chefcoach das Grün. Legt hier und da ein paar Hütchen hin, setzt ein paar Stangen. Das sieht recht unscheinbar aus. Aber dahinter steckt Methode. Loose ist Perfektionist. Das strahlen die Übungen mit der Mannschaft auch aus.

Perfektionist Loose fordert Spieler auf vielen Ebenen

Denn diese scheinbar ohne einer bestimmten Systematik zu folgenden Anordnung von Hütchen und Stangen entpuppt sich als Parcours für "Fußball-Fortgeschrittene". Gleich mehrere Aspekte werden den Spielern abverlangt: Passgenauigkeit, Schnelligkeit und Konzentration. Vor allem Letzteres spielt für den Fußballlehrer eine wichtige Rolle. "Wir wollen die cognitiven Fähigkeiten der Spieler schärfen", nennt Loose das. Sprich: Unter Druck den richtigen Pass an den richtigen Mann bringen. Der Ballführende muss blitzschnell entscheiden: Dribbling, Stoppen oder Direktpass und wo ist der freie Mann.

Das schaut sich der Trainer einige Minuten ohne große Gefühlsregung an. Urplötzlich platzt es aus ihm heraus: "Nur zwei Kontakte", schallt es dann so laut, dass es vermutlich noch am Westufer des Gardasees zu hören ist. Er ist eben ein Perfektionist. Und Genauigkeit verlangt er von seinem Personal auch auf dem Platz. "Zehn mal sind in Frankfurt diese Fehler passiert. Zehn mal!", kommt wenige Minuten später die nächste Standpauke.

Dabei darf der Trainer den Überblick nicht verlieren, was angesichts des in und um Bardolino herrschten Klimas derzeit nicht gerade leicht ist. Dicke Nebelschwaden ziehen vor allem in den Morgenstunden über die Trainingsplätze.

Lange Seitenwechsel mit dem Ball müssen da des öfteren "auf Verdacht" geschlagen, denn den Flügelpartner auf der anderen Seite des Platzes kann man allenfalls erahnen. Das findet Loose übrigens nicht schlimm: "Die Verhältnisse dürfen nicht gravierend anders sein als beim Liga-Alltag." Und da in gut drei Wochen beim Auftakt der Rückrunde in Pfullendorf kaum mit blauem Himmel bei brütender Hitze gerechnet werden darf, ist es doch ganz passend, dass auch am Gardasee das Thermometer kaum über 10 Grad Celsius klettert.

Zwei Trainingseinheiten pro Tag müssen die Kicker verrichten.

Dazwischen immer wieder Pflege und Massagen. Denn im Training - das ließ sich bereits an Tag zwei erkennen - geht es nicht zimperlich zu Gange. Der Kampf um die Stammplätze hat längst begonnen. Intensive Zweikämpfe und eine insgesamt recht raue Gangart sind an der Tagesordnung. Hier eine harte Grätsche von Daniel Bogusz gegen Yann Schneider, dort kommt Til Bettenstaedt nach einem Tackling von Nassim Banouas zu Fall.

Das will Loose sehen und das war auch mit ein Grund für die vier Neuverpflichtungen in der Winterpause, denn die erhöhen den Konkurrenzdruck nachhaltig. Sie mischen munter mit und lassen erkennen, das sie sich allesamt Chancen für die erste Elf zum Auftakt ausrechnen.

Nicht Eingreifen können derzeit Alexander Blessin sowie Christian Okpala. Blessin hat muskuläre Probleme, soll aber morgen wieder voll einsteigen können. Okpala hingegen zog sich am Mittwoch in Frankfurt eine Bänderdehnung samt Kapselanriss zu. Er wird sich weiter auf leichte Laufeinheiten beschränken müssen. Und auch die dritte Offensivkraft Gaetan Krebs ist noch nicht wieder zu 100 Prozent fit. Doch Teamdoc Ladislav Biro gab Entwarnung: Auch er soll morgen wieder richtig mitmischen.

Dann kann er sich im Rahmen eines Blitzturnieres auf dem Gelände des Sportfreunde-Camps beweisen. Es geht gegen die beiden österreichischen Drittligisten Wattens und Reichenau. Tests, denen Loose eine große Bedeutung beimisst: "Jeder kann sich anbieten. Vor allem in der Offensive durch die verletzungsbedingten Ausfälle."


Fotos + Text: Tim Plachner

 

» Zur Startseite von SauerlandKurier Die große Wochenzeitung im Sauerland