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Manchmal braucht sogar Deutschland bei der Stromversorgung externe Hilfe

Sauerland, 11.01.2012 08:56 Uhr

Anfang Dezember 2011 benö­tigten die Verbrau­cher im Süden der Repu­blik so viel Energie, dass der Netz­be­treiber Tennet auf die so genannten Kalt­re­serve zugreifen musste. Diese Ener­gie­re­serven sind dafür gedacht, wenn der Verbrauch in einer Region derart ansteigt, dass man mit den laufenden Kraft­werken nicht mehr nach­kommt.

Unsere Nachbarn aus Österreich aktivierten dafür sogar ein vorübergehend pausierendes Ölkraftwerk in der Nähe von Graz. Am 8. und 9. Dezember 2011 stiegen die Abnahmen so stark an, dass die landeseigenen Kraftwerke diese Bedürfnisse nicht kompensieren konnten.

In erste Linie hängt ein solcher Engpass aber nicht mit Strommangel zusammen. Viel mehr sind die Leitungswege nicht ausreichend. Im Norden wird durch die Masse an Windkraftanlagen eigentlich genug saubere Energie produziert, um solche Situationen zu meistern. Problematisch gestaltet es sich jedoch, den Strom über die weitere Strecke zu transportieren. Die aktuellen Leitungen sind für solche Kapazitäten einfach noch nicht ausgelegt. Im Rahmen der Abschaltung von insgesamt acht Atomkraftwerken als Maßnahmen der Energiewende, sieht man in Deutschland nicht vor, in einem Notfall auf die Kernenergie zurückzugreifen. Vielmehr werden dafür momentan pausierende Öl-, Gas- oder Kohlekraftwerke genutzt. Diese lassen sich schneller und unkomplizierter wieder ans Netz bringen, als ein stillgelegter Atomreaktor. Mehr als 1000 Megawatt aus eigenen Mitteln und zusätzlich 1075 Megawatt aus Österreich sind für solche Fälle als Reserve vorgesehen.

Der Überschuss, der an diesen beiden Tagen im Norden dank eines Sturms produzierte wurde, konnte schlichtweg nicht in den Süden transportiert werden. Nach Auskunft der Bundesnetzagentur ist diese Verfahrensweise der Nachbarschaftshilfe durchaus üblich. Um den Klimaschutz künftig weiterhin zu verfolgen, wird man um solche Zwischenlösungen nicht herumkommen. Speziell in extrem kalten Wintern ist die Energie in besonderem Maße erforderlich. Da man von Menschenhand kaum in angemessener Zeit und angepasst reagieren kann, planen die Provider in Zusammenarbeit mit der Bundesnetzagentur ein intelligentes Stromnetz. Das Stichwort Smart-Grid ist in diesem Zusammenhang aktueller denn je.

Intelligente Zähler und Schaltanlagen messen dann nicht nur den Verbrauch, sondern registrieren auch die Zeiten, zu denen am meisten Energie benötigt wird. Durch ein automatisches System wird dann der Strom so ökonomisch wie nur möglich verteilt. Dafür müssen jedoch zunächst die Voraussetzungen geschaffen werden. Neben dem Bau von Leitungen, die in der Lage sind derartige Kapazitäten von A nach B zu bringen, sind auch die EDV Fachleute gefragt. Denn die Smart-Grid Technologie funktioniert im Grunde wie ein Computernetzwerk mit integrierter Mess- und Steuerungstechnik. Nach Fertigstellung gehören Engpässe wie am 8. und 9. Dezember hoffentlich der Vergangenheit an.

 


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