
Sauerland, 28.07.2010 16:09 Uhr
So wie die Scheidungsraten in Deutschland weiterhin einem Aufwärtstrend folgen, zeigt sich bei den Geburtenraten andererseits immer noch der Abwärtstrend. Allen Prognosen zum Trotz werden weiterhin jedes Jahr ein paar Kinder weniger geboren, auch wenn Politiker und Aktivisten sich alle Mühe geben, für mehr Krippen-und Kindergartenplätze zu sorgen, als auch die allgemeinen Arbeitsbedingungen für Mütter zu verbessern. Anscheinend reichen die Bemühungen aber immer noch nicht aus, zumindest schlagen sie sich noch nicht in den derzeitigen Geburtszahlen nieder.
Immer weniger Geburten
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden nach vorläufigen Ergebnissen im Jahr 2008 in der Bundesrepublik 675.000 Kinder geboren, also rund 1,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Für viele Experten kommen diese Zahlen überraschend, denn im Februar war man noch von einem Aufwärtstrend der Geburtenzahlen ausgegangen. Laut der bis dahin bekannten Statistik bis September 2008 zeichnete sich ein allgemeiner Anstieg hinsichtlich der Anzahl der Geburten ab. Aufgrund der geringeren Zahlen im letzten Quartal 2008 hat sich dieser Aufwärtstrend jedoch nicht bestätigt.
Schlusslicht in Europa
Im europäischen Vergleich ist Deutschland Schlusslicht bei den Geburtenzahlen. So teilte das europäische Statistikamt Eurostat mit, dass in keinem anderen Land der EU so wenig Kinder geboren werden wie in Deutschland.
Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland pro 1.000 Einwohner nur knapp 8,2 Kinder zur Welt. Zum Vergleich: Im EU-Durchschnitt wurden pro 1.000 Einwohnern im vergangenen Jahr 10,9 Neugeborene registriert. Die meisten Kinder erblickten letztes Jahr in Irland das Licht der Welt. 16,9 Kinder wurden hier pro 1.000 Einwohnern geboren - mehr als doppelt so viele wie in Deutschland während dieses Zeitraums. Hinsichtlich der Entwicklung der Geburtenzahlen kann die europäische Statistik das Bild bestätigen: in Deutschland ist, anders als in allen anderen EU-Ländern, die Anzahl der Geburten rückläufig.
Warum sinkt die Geburtenrate?
Doch worin sind die Gründe für diese Entwicklung zu suchen? Viele junge Paare entscheiden sich heutzutage gegen Kinder. Trotz modernster technischer Möglichkeiten, mit denen beispielsweise der Geburtstermin genau berechnet werden kann, stellen viele junge Menschen ihren Kinderwunsch zurück. Möglicherweise aus Angst, auf dem Arbeitsmarkt gegenüber kinderlosen Kollegen benachteiligt zu werden. Zudem ist es in vielen deutschen Städten schwierig, einen Platz in einer Kindertagesstätte zu bekommen.
Mehr Hilfe für junge Familien
Experten sprechen sich aufgrund dieser Entwicklung für eine stärkere und vor allem gezieltere Hilfe für junge Familien aus. Insgesamt müsse die Bundesrepublik kinder- und familienfreundlicher werden. Neben zielgerichteter finanzieller Unterstützung in Form von Elterngeld seien werdende Eltern und junge Familien vor allem auf verständnisvolle Arbeitgeber und gute Möglichkeiten zur Kinderbetreuung angewiesen. Damit sich wieder mehr junge Paare für Kinder entscheiden, plant die Bundesregierung einen stärkeren Ausbau der Betreuungsmöglichkeiten für Kinder bis 2013. Ab dann sollen Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für jedes ihrer Kinder unter drei Jahren erhalten. Umstritten sind hingegen die Pläne von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) zur Kürzung des Elterngelds. Sie schlug kürzlich vor, das Elterngeld pauschal um monatlich 70 Euro zu kürzen.
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