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Von Regenwürmern und Räubern

Weidenau, 05.09.2010 01:30 Uhr

Auf einem kleinen Stock hält der drei­jäh­rige Nils einen Regen­wurm in die Höhe. Er dreht ihn von links nach rechts und nimmt ihn genaues­tens unter die Lupe. Anschlie­ßend legt er ihn unter einem Holz­haufen ab? damit niemand auf ihn drauf tritt.

Es ist kurz vor neun im Waldkindergarten im Weidenauer Tiergarten. 12 Kinder sind bereits da, gerade kommt Jonathan mit seiner Mama um die Ecke. Lene hat sich einen Hammer geschnappt und hämmert kleine Nägel in einem Baumstamm.

Sigrid Moos, eine von drei Erlebnis-Pädagoginnen, die die Kinder betreuen, richtet den mit einer Plane überspannten Frühstücksplatz her. Kleine Isomatten werden auf Baumstämme, die im Kreis angeordnet sind, gelegt. Die Kinder holen ihre Rucksäcke aus dem zehn Meter langen Bauwagen, der als Rückziehmöglichkeit und auch als Aufenthaltsraum genutzt wird. Während die Kids ihre Butterbrote auspacken, schnappt sich die Leiterin des Waldkindergartens, Gabriele Buhl-Berghäuser, ihre Gitarre und gemeinsam wird der Wald begrüßt ? inklusive Fuchs, Maus ? und Dino.

"Wenn es irgendwie geht, frühstücken wir draußen", sagt Sigrid Moos. Und es geht fast immer. Trotz des verregneten Augustes musste sich die Gruppe in den letzten Wochen nur viermal in den Bauwagen zurückziehen. Moos: "Der Wald bietet auch Schutz. So richtig nass wird man selten". Und der kleine Jasper bringt es auf den Punkt: "Wir sind doch nicht aus Zucker!" "Genau", ruft Manuel und springt auf und hüpft auf einem Bein im Kreis umher. Plötzlich ändert sich das Licht. Die Sonne kommt raus und zaubert Lichtflecke auf den feuchten Waldboden. Die Kinder sind begeistert.

Kinder haben sich schnell eingewöhnt

Das Frühstück ist nun beendet und die Rucksäcke werden im Bauwagen verstaut. Freies Spiel steht auf dem Programm. Nils, Manuel, Jonathan und all die anderen haben Seile gefunden und beschließen spontan, die dritte Pädagogin im Bunde, Beatrice Kempf-Jepsen zu fangen und an einen Baum zu fesseln. "Du bist ein Räuber", ruft Nils vergnügt. Der Räuber gibt sich aber so schnell nicht geschlagen, rennt weg und versteckt sich in einem Blätterhaufen. Ein Rollenspiel beginnt.

Lene, deren Mama während der Eingewöhnungsphase noch ein bisschen da geblieben ist, möchte lieber malen und taucht in der Malecke einen Pinsel in die blaue Farbe, um sie dann auf einen kleinen Baumklotz tropfen zu lassen. Zufrieden schaut sie sich das Ergebnis an und läuft dann zu den anderen.

Am 2. August ging der Waldkindergarten im Tiergarten an den Start. 15 Plätze stehen insgesamt zur Verfügung, 14 sind belegt. Auch zwei Kinder unter drei Jahren werden betreut.Lenes Mama Steffi ist froh, dass endlich auch im Kreis Siegen-Wittgenstein ein Waldkindergarten seine Pforten geöffnet hat. "Die Kinder können sich hier frei bewegen und die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten ist rasant", sagt sie. Auch das Lernen und Spielen in der Natur findet sie wichtig. "Nur wenn die Kinder die Natur lieben lernen, können sie wertschätzen und gut mit ihr umgehen", ist die dreifache Mutter sicher. Ein weiterer Aspekt: der Lärmpegel. "Hier können die Kinder nach Herzenslust schreien und toben, ohne dass es jemanden stört".

Seit zwei Wochen gehört auch Praktikant Simon zum Team. Er studiert Sozialarbeit und bleibt insgesamt sechs Wochen. "Ich finde den Waldkindergarten klasse. Die Kinder können laufen und es ist nicht so laut". Dass ein Tag im Waldkindergarten aber auch ganz schön anstrengend sein kann, erfuhr Simon nach seinem ersten Tag. "Ich musste mich nachmittags erst mal hinlegen, weil ich körperlich fix und fertig war", grinst der Student.

Nach fast vier Wochen zieht Gabriele Buhl-Berghäuser ein positives Fazit: "Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Kinder eingewöhnt haben und welche rasche Entwicklung sie bereits in den letzten vier Wochen durchgemacht haben", so die ausgebildete "Erzieherin im Waldkindergarten".

Träger des Waldkindergartens ist übrigens der Verein "Die Wiesenpieper", der sich Ende 2009 gegründet hat. Neben dem Kindergartenbeitrag, den die Eltern an die Stadt abführen, zahlen sie einen Mitgliedsbeitrag an den Verein.

Noch ist ein Platz für ein Kind zwischen 3 und 6 Jahren zu vergeben. Wer Interesse hat oder einfach einmal in den Kindergarten-Alltag hineinschnuppern möchte, kann sich bei Gabriele Buhl-Berghäuser unter Tel.: 0271/3190575 oder auf der Homepage im Internet unter www.waldkindergarten-siegen.de informieren.

Zum Schluss noch eins: Wer glaubt, im Waldkindergarten würden Kinder das Spielzeug vermissen, der irrt. Auf die Frage, was im Waldkindergarten denn besonders toll sei, antwortet Jonathan: "Ich find's toll, wenn wir die Bea fangen".


 


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